Luftfahrt äußerte Sicherheitsbedenken © APA - Austria Presse Agentur

Wegen Sicherheitsbedenken der Luftfahrt verzichten die beiden US-Mobilfunker AT&T und Verizon in der Nähe wichtiger Flughäfen in den USA weiter auf die Inbetriebnahme neuer 5G-Dienste. US-Präsident Joe Biden begrüßte den Kompromiss in der Nacht auf Mittwoch, mit dem potenziell verheerende Störungen des Flugbetriebs sowie der Frachtoperationen verhindert würden. Dennoch strichen Airlines Flüge oder wechselten kurzfristig die Flugzeugmodelle aus.

Die Luftfahrtindustrie hat Sorge, dass es zu Störungen von Kontrollgeräten bei Landungen kommen könnte. Von den Warnungen der US-Luftfahrtbehörde FAA ist zum Beispiel der weit verbreitete Langstreckenflieger Boeing 777 betroffen. Deshalb disponierten auch Lufthansa und Austrian Airlines (AUA) um.

Die FAA hat vor möglichen Interferenzen von 5G mit empfindlicher Flugzeugelektronik wie Funkhöhenmessern gewarnt. Dabei geht es vor allem um den Einsatz des C-Band genannten Frequenzbereiches. Flugzeuge müssen nun entsprechend aufgerüstet werden, um weiter operieren zu können. Airbus wie auch Boeing sollen entsprechende Updates bereits vornehmen. Trotzdem rechnen Fluggesellschaften und FAA mit einigen Störungen des Flugbetriebs. Anders als in den USA wird in Europa in der Regel ein 5G-Spektrum genutzt, das weiter von den für Funkhöhenmesser genutzten Frequenzbändern entfernt ist. Die EU-Luftfahrtbehörde EASA sieht daher kein Risiko beim 5G-Einsatz.

Für das österreichische Forum Mobilkommunikation (FMK), einer Interessenvertretung der Mobilfunkbranche, sind die Bedenken der Luftfahrtbranche nicht nachvollziehbar. "In Österreich läuft jedenfalls 5G schon seit drei Jahren im besagten C-Band (3,6 GHz) beispielsweise auf dem Flughafen Wien, wie es auch zu erwarten war, störungsfrei", betonte die Telekomorganisation.

In den USA gab die Flugsicherheitsbehörde FAA, obwohl die US-Mobilfunkbetreiber aufgrund der Bedenken Pufferzonen um rund 50 Flughäfen einhalten, fast 1.500 Sicherheitshinweise und Restriktionen zu 5G heraus, darunter auch zum Höhenmesser der Boeing 777. Die Höhenmessung wird unter anderem für automatisiertes Landen gebraucht, oder um Windströmungen zu entdecken. Nach der Boeing 767 werden die meisten Langstreckenflüge in die USA mit diesem Jet absolviert. Der weltweit größte Betreiber des Modells, Emirates, strich sicherheitshalber neun Flüge in die USA ab Mittwoch. Verbindungen nach New York, Los Angeles und Washington sind nicht darunter.

Etliche Airlines, darunter auch Lufthansa und ihre Tochter Austrian Airlines (AUA), setzten kurzerhand andere Flugzeugtypen ein. Nach Los Angeles, Chicago und San Francisco fliegt die Lufthansa am Mittwoch mit der Boeing 747-400, "da bei Lufthansa stets Sicherheit die oberste Priorität hat", wie die Airline erklärte. Ein Flug von Frankfurt nach Miami wurde gestrichen, die Passagiere auf den Abflugort München umgebucht. AUA wechselt von der Boeing 777 auf die Boeing 767, um Fluggäste von Wien nach Newark bei New York zu bringen. Entscheidungen für die Folgetage seien noch nicht getroffen.

Mehr als 90 Prozent der neuen Funkmasten, die eine deutlich schnellere Datenübertragung ermöglichen, gehen unterdessen wie geplant in den USA in Betrieb. Wann der Rest folgen soll, ist offen. Es ist bereits das dritte Mal, dass AT&T und Verizon die Einführung verschieben mussten.